Ortler – ewig wirst Du mir erhalten bleiben!

04.08.2014 / von Evelin

In meiner Euphorie habe ich es doch tatsächlich verschwitzt alle Tagebuchleser und Berglieber über mein unvergessliches Erlebnis am Ortler zu erzählen. Ganz ehrlich ein langjähriger Stammgast hat mich überhaupt daran erinnert und sich schon fast ein bisschen Sorgen um mich gemacht – ein cooles Gefühl, wenn Gäste auch Zuhause an das Zirm und in diesem Moment an mich gedacht haben!

Also hier bin ich, wohl zurück und unheimlich stolz auf den bezwungen Ortler. Am 15. Juli nach dem Mittagessen ging’s ganz gemütlich nach Sulden, wo wir um 17.00 Uhr unsere beiden Globo Alpin Bergführer aus dem gegenüberliegenden Antholzertal getroffen haben. Gemeinsam haben wir die ersten Höhenmeter ganz gemütlich mit dem Sessellift bestritten und sind dann ganz entspannt und voll gepacktem Rucksack zur Payer Hütte aufgestiegen. Die Anblicke der Nordwand des Ortlers haben den Respekt des Vorhabens am darauffolgenden Tag nach und nach geschürt. Gegen 19.00 Uhr sind wir dann nach einer kurzen Einkehr auf ein Bierchen auf der Strecke in der Hütte angekommen. Rücksäcke in die Schlafgemächer und gleich zum Abendessen – ein Spaß in sehr geselliger Runde. Nach einem unglaublichen Sonnenuntergang hieß es um 22.00 Uhr (Hüttenruhe) Zapfenstreich, ab in die Betten, denn der Wecker war auf 4.00 Uhr morgens gestellt. Doch an leider blieb der erwartete Schlaf bei allen aus, bzw., ging sich nur ein knappes Stündchen aus. Na super dachte ich mir während der schlaflosen Stunden, doch egal, da muss ich rauf.

Endlich 4.00 Uhr, ein etwas appetitloses, aber gezwungen reichliches Frühstück und nun rein in die Ausrüstung. Touren-Funktionsklamotten, Stirnlampe, Pickel und los ging es um 4.45 Uhr sofort über das erste Schneefeld, bis bald zur ersten Kletterpassage, die recht gut zu überwinden war, bis es dann ab circa der Hälfte hieß Steigeisen angeschnallt es geht in den Gletscherteil über.  Die unwahrscheinlich guten Verhältnisse bescherten uns ein ganz und gar nicht eisiges Schneefeld, wodurch wir sehr gut und unbehindert in der Seilschaft vorankamen. Übrigens waren an diesem Tag nur insgesamt 15 Personen auf dem Weg zum Gipfel (im Vergleich sind es an guten Tagen, wie diesen rund 80 Personen nach oben unterwegs) und es kam nicht einmal zu Wartezeiten – was für ein Glück.

Die relativ angenehmen Temperaturen machten den Sonnenaufgang zu einem wahren Genuss-Naturschauspiel. Nach einer kurzen Teepause, die den Lippen, die durch Kälte und Sonne etwas beansprucht waren, sehr gut tat. Bald war es zu sehen das  Gipfelkreuz und wir erreichten das Ziel um 8.00 Uhr morgens – Guten Morgen Ortler, was für ein Gefühl!!!! Unterhalb des Kreuzes in einem windstillen, aber sehr steil abfallenden Plätzchen machten es sich alle gemütlich und gönnten sich reichlich Zucker in Form von diversen Keksen und viel Schokolade :-)

Nach einer halben Stunden Aufbruchsstimmung, es ging abwärts und wie erwartet, war es der Abstieg, der uns mehr Konzentration und Geschicklichkeit abverlangte. Konkret gab es den ein oder anderen Ausrutscher mit den Steigeisen und Nervenkitzel beim Abstieg der ersten Kletterpassage…
Die Stimmung blieb jedoch Dank der sehr entspannten Bergführern gut und ohne größere Vorkommnisse haben wir den Ausgangspunkt, die Payer Hütte gegen Mittag, pünktlich zu einem Teller Pasta und einem großen Weißbier erreicht.

Als wären wir an dem Tag nicht schon weit genug gelaufen, sind wir nun noch bis nach Sulden abgestiegen, natürlich wieder mit Einkehr auf ein Bierchen auf der nächsten Hütte und kamen an dem Tag auf eine stattliche Höhenmeterzahl, die im Tal dann auch in den Beinen zu spüren war. Um das Ganze dann noch ganz gemütlich ausklingen zu lassen, haben wir noch in Sulden übernachten, bevor es am nächsten Tag wieder nach Hause ging.

Dort wurden wir mit rotem Teppich und einem riesen Transparent von Familie und Gästen empfangenein Gänsehautfeeling und erst dort habe ich die Leistung erst richtig realisiert.
Ich bin stolz König Ortler – den höchsten Bergs Südtirols nun persönlich zu kennen und verspüre ein gewisses Kribbeln einer neuen Herausforderung im kommenden Jahr :-)

Hier noch einige Impressionen des schönsten Tages im Bergjahr 2014 https://vimeo.com/101309170

Berg Heil und bis bald!
Eure Evelin

ortler

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