Wir Schraffl's sind eine rundum gesellige, recht zahlreiche Familienbande, zwischen ca. 10 - 80 Jahren, mittlerweile in 3. Generation!
Wenn wir alle gemeinsam unterwegs sind, geht's schon mal turbulent her, lustig, pfiffig und manchmal auch mit eckigen Meinungsverschiedenheiten.

Außer: wenn aus dem Nähkästchen geplaudert wird,
dann wird's rundum ruhig und alle lauschen ganz gespannt, haben Fragen oder zücken auch mal schnell den Bleistift, Erzählungen müssen festgehalten werden.   

Diese Erzählungen sammeln wir nun schon seit mehreren Jahren,
heute bringen wir eine davon auf Papier, äähhhm auf den Bildschirm.


"Alles begann damit, dass sich sozusagen ein Koch (heute Opa Hubert) und eine Bedienung (heute Oma Maria Anna) verliebten", 

so lautete an einem feinen Frühlingstag der erste Satz von Mama & Oma Maria Anna, als wir wieder mal alle zusammen unterwegs waren, immer mit dabei gutes Essen und feine Tröpfchen. 

"Wenn ich <40 Jahre Zirm> in 4 Absätzen gedanklich zusammenfasse, fühle ich richtigen Stolz, eigentlich hat alles und noch ein wenig mehr geklappt!
Immer hatten wir den Traum einer eigenen Pension vor Augen, so kauften wir - damals noch Pächter der "Reiderbar" in Sexten - im Jahr 1978 in Geiselsberg eine schiefe, sumpfige Wiese, wie uns erst später bewusst wurde.

Wir waren jung, optimistisch - und auch ein wenig blauäugig: voller Vorfreude und Pläne reichten wir unser Bauprojekt für ein Hotel mit 45 Betten bei der Gemeinde Olang ein, das bald genehmigt wurde.

Nach dem Bau der Zufahrtsstraße rückten die Bagger dem Hang zu Leibe, der sich als reichlich schwammig erwiesen hat. Die herbeigerufenen Geologen stellen schnell fest, dass eine umfangreiche Hangsicherung vorgenommen werden musste, bevor mit den Aushubarbeiten begonnen werden konnte.
Und so waren wir nach einigen Monaten stolze Besitzer eines gesicherten Hanges - und eines großen Lochs!
Selbiges klaffte allerdings auch in unserem Budget: das Geld, das wir in den vergangenen Jahren zusammengespart hatten, war aufgebraucht. 

"Augen zu und durch", sagten wir uns.
Mein Mann suchte nach Finanzierungsmöglichkeiten, ich nach Ideen, um unsere Betten zu füllen - schließlich hatten wir ja noch keine Gäste-Adressen und waren komplett unbekannt.
Am 01. Dezember 1980 war es dann soweit: wir verließen unsere Pachtlokal, machten uns auf den Weg nach Geiselsberg und stürzten uns in die Arbeit. 

Neben dem Putzen, Vorbereiten und Einräumen scheint ein Missgeschick wohl wirklich das letzte nötige Quäntchen Glück gebracht zu haben:
als ich am Eröffnungstag damit beschäftigt war alle angekauften Gläser für unsere Gäste auf der vorgesehene Stellage zu platzieren, und das letzte aller Gläser seinen Platz gefunden hatte,
!! Wrrruuuummmm !!, stürzte die gesamte montierte Stellage mit Wein- & Wassergläsern zu Boden. Ein lauter Knall, tausende von Scherben und wohl der Start in eine von ganz viel Arbeit geprägte aber auch mit viel Glück versehene Zukunft - Scherben bringen eben Glück, diesen Moment habe ich nie mehr vergessen :-). 

Und weil ich grad vom Glück erzähle, nicht zu kurz kam auch unser Familienglück, dies war uns nämlich genauso wichtig wie der Hotelbetrieb. 
Evelin kam bereits während unserer Pächterzeit in Sexten zur Welt. Von morgens bis abends saß sie bei uns auf der Bartheke und, man kann wohl sagen, dirigierte die vorbeikommenden Dorfbewohner und Barbesucher - ihr Führungsqualitäten hat sie sich wohl damals schon angeeignet!
Im Zirm ging es dann Schlag auf Schlag: im September 1981 kam Anni zur Welt, weniger als ein Jahr später, im Juli 1982, folgte Hans-Peter - und machte unsere Familie komplett. 

Am allerwichtigsten war für meinen Mann und mich immer die Harmonie in der Familie, und wir sind sehr dankbar für den großen Zusammenhalt, den es bei uns Schraffl's gibt. 
Dass unsere letzte große Aufgabe im Hotel - die Übergabe der Führung an unsere Töchter - so wunderbar und respektvoll gelungen ist, erfüllt mich mit großem Stolz und Freude. Anschließend durfte ich viel Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen:
Oma sein, das ist wohl das Dessert des Lebens ..."